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Scheidung
Die Bindung zwischen Partnern, die durch Liebe und Sexualität vollzogen wurde, reicht weit. Oftmals weiter, als über jede Scheidung hinaus.
Eine Beziehung achtsam mit sich und dem anderen zu beenden, erfordert viel Arbeit. Dazu gehört auch die Art und Weise, wie die Scheidung vollzogen wird.
Kein religiöses System hat ein substanzielles Ritual für die Scheidung einer Ehe entwickelt.
Auch wenn in den modernen Industriestaaten viele meinen, es sei nicht mehr nötig, Rituale zu feiern, kann sich eine Gesellschaft nicht wirklich von Ritualen und Zeremonien fortentwickeln wie ein Kind, das aus Schuhen herauswächst.
Jede Gesellschaft hat das Bedürfnis, die gemeinschaftlichen Gefühle und Gedanken, die ihre Einheit und ihren Charakter ausmachen, immer wieder zu erneuern und zu bekräftigen.
Rituale und Zeremonien sind eine soziale Notwendigkeit.
Sie thematisieren universalen, archetypischen Stoff, der allen Kulturen gemeinsam unsterblich ist, und helfen uns damit, das Abenteuer Leben anzunehmen und loszulassen, es zu schätzen und zu feiern, zu nehmen, zu geben und zu vergeben.
In vielfältiger Ausgestaltung feiern wir als Hochzeitszeremonie den Eintritt in die Ehe als einen für das weitere Leben zweier Menschen maßgeblichen Einschnitt.
Zwei polare Kräfte, das Weibliche und das Männliche, und mit ihnen zwei Familien werden miteinander verbunden.
Hochzeit ist nicht nur ein Ritual von gesellschaftlicher Bedeutung mit rechtlichen Folgen. Sie ist Symbol für die Vereinigung von Himmel und Erde und den Ursprung allen Lebens.
Da in unserer Gesellschaft Trennung und Scheidung fester Bestandteil eines möglichen sozialen Verhaltens sind, ist eine Zeremonie, welche die Auflösung der Ehe symbolisiert und die Ablösung unterstützt, wünschenswert.
Scheidung ist ein zumeist krisenhaft erlebter Wendepunkt im Leben zweier Menschen mit Auswirkung auf ihr gesamtes Familiensystem und seine Mitglieder.
Eine in sich abgeschlossene Lebensphase wird beendet und eine neue beginnt.
Dieser, der Trauung in nichts nachstehende Lebenseinschnitt wird in dem richterlich gesprochenen oder auch nur geschriebenen Satz:
Im Namen des Volkes. Die Ehe wird geschieden
nicht substanziell symbolisiert.
Das Paar kann die Auflösung der Ehe kaum wahrnehmen und wird dadurch an dem klaren Übertritt aus einer genau definierten Situation – verheiratet – in eine andere, ebenso klar definierte Situation – nicht verheiratet – gehindert. Das hat häufig weit reichende Folgen im ganzen Familiensystem und besonders für Kinder.
Daher kann eine individuell entwickelte, genau auf die Bedürfnisse der Beteiligten zugeschnittene Scheidungszeremonie allen an dem Scheidungsgeschehen Beteiligten helfen, die Verabschiedung der bisherigen und den Übergang in die neue Lebenssituation wirkungsvoll zu gestalten.
Einschätzungen und Erfahrungen der Vergangenheit werden in einen neuen Rahmen eingeordnet. Schritte können vorbereitet und tatsächlich gemacht werden, die ansonsten unmöglich wären. Das hat heilsame Wirkung.
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